Sunday, May 15, 2016

Nachtrag zum Muttertag




Als Crystal, eine liebe Freundin und die Frau meines Cousins, ein Wort in irgendeiner Sprache für ein Gedicht gesucht hat kam mir spontan "No." – "Nein." in den Sinn.
Ich habe das Wort zu dem Zeitpunkt und auch jetzt leider ziemlich oft in Gebrauch. "Nein, Leia, tu das nicht." "Nein, Elias, das ist "Nein"." Es verfolgt mich den ganzen Tag.
Mir sind dann folgende Zeilen durch den Kopf gegangen, ein Gedicht zu "Nein" bzw. "Kein":


"No"

No way.
No! Kids?

No time.
No room.
No money.
No life.

No smile.
No love.
No future.
No fear!

No kids
– no way.
No.


Dass immer mehr Menschen in der westlichen Welt keine Kinder mehr bekommen wollen oder können ist eine Entwicklung die polarisiert. Religionen, Politik, Sozialwissenschaften und jede/r Einzelne haben eine Meinung dazu.

Kind ja/nein ist wie Raucher-Nichtraucher, Glaubensverfechter-Atheisten, Tierbesitzer und solche, die keine Haustiere haben (um nur einige Beispiele zu nennen).
Jede Seite ist für sich im Recht und reagiert verschnupft, wenn es zu "Grenzüberschreitungen" kommt. Solange man nicht von der anderen Seite belästigt wird ist es egal – auch mir. 
Die Vernunft, die heutzutage so gerne propagiert wird hat bei Emotionen keine Chance.
Auch bei mir im täglichen Mutterdasein mit meinen Kindern.

Ausgerechnet in der "Kleinen Zeitung" habe ich am Muttertag einige gute Artikel zum Thema "Mütter" gelesen und wie sich die Rolle in den lezten Jahrzehnten (nicht zuletzt wegen der steigenden Anzahl an arbeitenden Müttern) verändert hat.

Es ist heute einfach anders als es zu unserer Kinderzeit war. Erziehung läuft anders, sollte anders laufen und doch falle ich immer wieder in die altbekannten Muster meiner Eltern. Leider hatte die Person damals recht, die in einem Artikel geschrieben hat, dass man ab 30 seinen Eltern im Verhalten immer ähnliche wird!
Das von meiner Freundin Katja empfohlene Buch: "So sag ich's meinem Kind: Wie Kinder Regeln fürs Leben lernen" hat mir das anhand interessanter Beispiele aufgezeigt. 

Dass man das bekommt, was man verdient, habe ich mir damals nicht gedacht, als ich als Kind hysterisch geplärrt habe. Nun mache ich dasselbe Spiel mit meiner Tochter mit, diesmal aber auf der Seite, die das bekommt, was sie sich in ihrer Kindheit verdient hat.

Nein, ich werde mich nicht für meine Kinder entschuldigen. Das müssen sie schon selbst machen. Bis auf die Ausnahmen, wo ich mich trotzdem auch noch für irgendwas bei irgendwem entschuldigen muss. Aus Mutterpflicht. Und irgendwann in der Zukunft entschuldigen die Kinder sich dann bei anderen für mich, ihre Mutter. Es kommt alles zurück…

Mein Respekt vor alleinerziehenden Müttern ist grenzenlos! Mir reichen die einzelnen Tage die ich bisher hatte, wo ich als Alleinerzieherin mit den Kindern ohne jegliche Hilfe von anderen Personen durchgestanden habe.
Ich bin dankbar für die Hilfe von Großeltern und verständnisvollen Freunden (auch solchen ohne Kinder) aber richtig entspannen kann ich leider nur, wenn Andy die Brut versorgt. Und selbst da kreisen meine Gedanken noch mindestens stündlich um die Kinder. Meistens in Form von Selbstzweifeln, leisen Vorwürfen mir gegenüber, dass ich es genieße, mich nur um mich und meinen Kram/Arbeit/Schönheit (!) zu kümmern.

Ja, ein Besuch beim Friseur oder Kosmetikerin ruft bei mir schon ein schlechtes Gewissen hervor, da ich für "mein Vergnügen" die Kinder beim Mann lasse. Denen taugt die Zeit mit dem Papa meist mehr als die mit der Mama. Auch Omas und Opas sind meist mehr wert als die Mama, die ständig "Nein." sagt.
Ich bin als Mutter der emotionale Mülleimer: "Du bist böse. Du bist nicht meine Mama." und "Du bist die beste Mama der Welt." Heiß-kalt. Ständiges Ausloten von Grenzen. Ein ständiger Kampf. Deshalb haben vielleicht auch fast alle meine Mama-Freundinnen zugestimmt, dass die Arbeit eine Erholung ist.

Waren wir früher so anders? Haben sich unsere Mütter auch für uns Kinder entschuldigt?
Bei der Arbeit, weil sie ständig wegen Kinderbetreuung schauen müssen, ob es geht. Bei der Betreuung, weil es länger gedauert hat bzw. weil man als Mutter arbeiten geht (gehen muss, gehen will) und nicht ständig beim Kind sein kann.
Weil die Kinder laut, frech, nicht lieb zu einander sind. Weil man sie nicht weinen lassen darf, weil man sie unterhalten soll (vielleicht vor dem Fernseher oder Tablet kalt stellt) und sie auf irgendeine Weise stören ("Mir ist fad.").
Ich entschuldige mich auch öfters, weil ich manchmal nicht mehr kann und doch immer können sollte, weil meine Ansprüche und die des Umfeldes meine Kräfte übersteigen.

Aber es geht auch anders:
Bei Leia mussten wir uns dafür letzte Woche entschuldigen, dass wir sie nicht zu einer Hochzeit mitnehmen konnten, weil die Einladung "ohne Kinder" war.
Beide Seiten (Eltern ohne Kinder und letzere) haben den Tag gut hinter sich gebracht.

Ich liebe meine Kinder, möchte sie nicht missen. Ich weiß ziemlich genau, welches Geschenk ich bekommen habe, dass ich sie bekommen konnte und erleben kann. Sie haben auch die Beziehung zwischen Andy und mir neu definiert. Wir sind durch die Höhen und Tiefen mehr "wir" geworden. Wir hatten Glück und haben es noch.

Dass es momentan durch unseren Umbau ziemlich drunter und drüber geht, ist nicht gerade förderlich für die gute Stimmung. Zum Glück wird es in einem Monat besser werden – mein Respekt gilt auch hier Eltern, die trotz Kindern bauen und in diesen Belastungsphasen nicht die Scheidung einreichen.

Für mich war der Muttertag schön – mit meiner Mutter und meiner Tochter gemeinsam, fernab vom Bau. Leider war er dieses Jahr auch der Sterbetag meiner "Linzer-Oma", aber die Erinnerung an eine wunderbare Zeit mit ihr lebt weiter (und irgendwann in ferner Zukunft schmeckt der Rahmrostbraten nach ihrem Rezept von uns nachgekocht fast ebenso gut wie damals bei ihr).

Dass dieses Jahr auch ausgerechnet "dm" eine Kampagne am Muttertag "für alle, die wie Mütter für uns sind." hatte, war für mich erfrischend, denn "Mutterschaft" schließt auch für mich alle Personen mit ein, die vielleicht selber keine Kinder haben (aus welchen Gründen auch immer), aber dennoch für andere Menschen da sind (egal welchen Alters).

Ich danke meiner Mama und auch meiner Schwiegermutter für ihre Hilfe und hoffe, dass sich auch meine Kinder später einmal an die schönen Seiten ihrer Kindheit und das Gefühl von "daheim" erinnern werden.

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